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Presseartikel vom 07.11.2008

Gelebte Solidarität bekämpft Armut

Gelebte Solidarität bekämpft ArmutAktion | Menschen, die in Not leben müssen, brauchen die Hilfe ihrer Mitmenschen. Dafür setzen sich die Sparkassen der Region und die Frankenpost gemeinsam ein – seit neun Jahren und mit wachsendem Erfolg

Von Andrea Herdegen

Selb – Armut ist nicht unbedingt sichtbar. Viele Betroffene schämen sich und wollen ihre Not im Verborgenen halten. „Armut hat viele Gesichter“, betont Otto Bayreuther vom Diakonischen Werk Selb-Wunsiedel bei der Auftaktveranstaltung von Hilfe für Nachbarn. Die gemeinsame Aktion von Frankenpost und Sparkassen in Hochfranken startete am Mittwoch in Selb.

Bayreuther schildert die Situation einer allein lebenden älteren Frau, die versucht, mit ihrer kleinen Rente ohne fremde Hilfe auszukommen. Im Laufe der Zeit häufen sich die Stromschulden. Eines Tages wird abgeschaltet. „Als unsere Sozialarbeiterin mit dieser Dame in Kontakt kam, lebte sie bereits seit einem halben Jahr ohne Strom. Sie konnte kein Essen kochen, keine Wäsche waschen, nicht heizen. Für ein, zwei Stunden am Tag durfte die Betroffene zum Nachbarn gehen, um sich aufzuwärmen.“

Bewusst berichtet Bayreuther nicht von spektakulären Fällen, wo die Not offensichtlich ist. „Hilfe für Nachbarn unterstützt aber eben nicht nur in den großen Fällen die Betroffenen, sondern gewährt auch bei den kleineren Problemen vielfältige Hilfe, lindert die größte Not.“

Deutschland sei ein wohlhabendes Land. Der gesamtgesellschaftliche Reichtum sei in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. „Aber längst nicht alle Menschen haben an dieser Entwicklung Anteil. Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, nimmt zu.“ Besonders erschreckend findet Bayreuther, dass in Deutschland 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche von Armut betroffen sind. Hier hebt er hervor, dass alle an der Aktion Beteiligten für ihre Arbeit nicht entschädigt werden. „Unser Lohn sind strahlende Kinderaugen, ein dankbarer Händedruck oder eine kleine verschämt verdrückte Träne.“

„Zum Zeitpunkt der Gründung der Aktion im Jahr 2000 war das Ausmaß und der große Zuspruch der Bevölkerung nicht absehbar. Umso bemerkenswerter und erfreulicher ist es, dass unsere Aktion eine große Welle der Spendenbereitschaft und Solidarität in unserer Region losgetreten hat“, lobt der Vorsitzende von Hilfe für Nachbarn, Sparkassen-Vorstandschef Bernd Würstl. Die starke Gemeinschaft aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Bevölkerung habe in den vergangenen acht Jahren mit nahezu einer Million Euro die „Not von nebenan“ unbürokratisch lindern können.

Würstl dankt allen, die Hilfe für Nachbarn unterstützen und hofft auf eine erfolgreiche Weihnachtsspendenaktion 2008. „Es ist faszinierend, wie die Menschen hier in der Region hinter uns stehen.“

Abschied von einem „Überzeugungstäter“ nimmt anschließend der Moderator des Abends, Frankenpost-Redaktionsdirektor Werner Mergner. „Die Aktion und den Verein Hilfe für Nachbarn gäbe es nicht, wäre da nicht ein Mann, der sich als unermüdlicher Motor unserer großen Hilfsaktion erwiesen hat: Reinhard Gerstner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hof.“ Gerstner geht im Frühjahr 2009 in den Ruhestand, sein Amt als Schatzmeister des Vereins übernimmt künftig Michael Maurer von der Sparkasse Hof.

Reinhard Gerstner ist Mergner zufolge der lebende Beweis dafür, dass man erfolgreich im Beruf sein und trotzdem ein anständiger Mensch bleiben kann. „Keine Spur von einem kaltherzigen Finanzmanager, jede Menge Spuren dagegen von einem warmherzigen Menschenfreund.“ Mergner bedankt sich im Namen des Vereins und der vielen Menschen, denen die Aktion bereits geholfen hat. Sichtlich bewegt dankt Reinhard Gerstner für die warmen Worte. „Mein größter Wunsch ist, dass noch mehr Menschen verstehen könnten, was Armut ist und wie sie sich auswirkt.“

Ganz gezielt spricht Werner Mergner die Politiker an, sowie die „ARGEN“, die die staatlichen Geldhilfen verwalten. Sie sollten die Arbeit der Aktion in einem anderen Licht sehen. Als Beispiel berichtet er von einer allein erziehenden Frau, die vom Verein eine Finanzhilfe erhielt, damit ihr Kind zum Schulausflug konnte. Dieses Geld sei der Frau bei Hartz IV gegengerechnet worden. „Darüber sind wir bitter enttäuscht. Das ist moralisch nicht in Ordnung.“ Noch einmal spricht er die Politiker an: „Versuchen Sie, dies zu ändern. Für uns ist das ein Riesenproblem.“

Bevor der Reigen der Scheckübergaben eröffnet wird, übt das Marktredwitzer Kabarett um Kurt Rodehau, Heike Gravogel und Harald Eichner Sozialkritik auf ganz besondere Weise. Dann gilt es, das Spendenbarometer nach oben zu treiben: Es steigt und steigt, um insgesamt 13 500 Euro auf 49 615,18 Euro. Dazu beigetragen haben die hochfränkischen Sparkassen sowie deren Personal mit je 2500 Euro sowie Stefan Hohm von der Logistikfirma Dachser in Hof mit 5000 Euro. Walter Meister von Eon Bayern hat 2000 Euro mitgebracht, Erich Bauer vom Fachgroßhandel Glass aus Marktredwitz 1000 Euro. Uwe Lochner vom Institut BSN in Helmbrechts spendet 500 Euro.

Zum Abschluss gibt Werner Mergner noch ein Wort der Dichterin Marie von Ebner- Eschenbach mit auf den Weg: „Man kann nicht allen helfen, sagt der Engherzige – und hilft keinem.“

Bildunterschrift:
Bei der Auftaktveranstaltung der Aktion „Hilfe für Nachbarn“ gingen am Mittwochabend 13 500 Euro an Spenden ein. Im Bild (von links): die Landräte Dr. Karl Döhler (Wunsiedel) und Bernd Hering (Hof), Frankenpost-Redaktionsdirektor Werner Mergner, Hofs Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner, Dachser-Niederlassungsleiter Stefan Hohm, Uwe Lochner vom Helmbrechtser Institut BSN, Eon-Vertriebschef Walter Meister aus Bayreuth, Michael Maurer, Vorstandsmitglied der Hofer Sparkasse und künftiger Vereins-Schatzmeister, die Sparkassen-Vorstandschefs Reinhard Gerstner (Hof) und Bernd Würstl (Fichtelgebirge), die Sparkassen-Personalratsvorsitzenden Ina Richter (Selb) und Michael Burger (Hof) sowie Glass-Geschäftsführer Erich Bauer aus Marktredwitz. Fotos: Andrea Herdegen

Spendenstand
 
200.417,88
am 24.01.2012


Spendenkonto
 
Konto: 220 020 416
BLZ: 780 500 00
bei der Sparkasse Hochfranken


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